Die Vermessung des Geschmacks – Meine Abkehr vom Massenkonsum

Passend zum reißerisch klingenden Titel, erschallt aus meinen Lautsprechern „Toccata & Fugue in D Minor“ von Johann Sebastian Bach und mit einem diabolischen Lachen, drehe ich mich in meinem Bürostuhl um mich triumphierend über das allgemeine Proletariat zu erheben…

Während ich mich fortwährend drehe, umweht mich eine Aura der Exklusivität und der Überlegenheit. Soll das allgemeine Gesinde doch ihre billige Filter-Aldi-Kaffee-Plörre in sich hineinschlüfen, oder sich um das abgepackte, mit Antibiotika vollgestopfte Schweinenackensteack für 0,29€ / Kilo, wie ein Rudel abgehalfterter rumänischer Dorfhunde, balgen.

Mir schwebt besseres vor! Ich bin etwas besseres. Ich konsumiere nicht wie der allgemeine Pöbel und damit bin ich automatisch ein höherwertiger Mensch.

Ohh, dieser Triumph!!

Ich sollte einen Turm zum Himmel bauen. Bestehend aus feinsten Kaffeebohnen, dem zartesten Rindfleisch und umgeben von lauter 40-jährigen Flaschen mit den erlesensten Whiskysorten.

So, oder ähnlich könnte man an die Thematik „Entdeckung neue Geschmackserlebnisse“ herangehen und leider geschieht dies auch allzu häufig auf diese Art und Weise. Ich schließe mich dabei gar nicht aus. Man sieht, hört, oder liest von etwas vermeintlich „besserem“, fängt an dies auch zu konsumieren und schon ist der jahrelange Genuß von warmen Bierdosen, Filterkaffee, billigem Fleisch, etc, etc, pp vergessen. Man sitzt auf dem Thron des guten Geschmackes und sieht mit scharfem Blick auf die verblendeten Konsumenten hernieder um sie mit göttlichem Blicke zu strafen.

Also zäumen wir bei dieser sensiblen Thematik das Pferd doch lieber einmal anders auf.

Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung ist es uns heutzutage möglich auch aus den entlegensten Teilen der Erde zu einem sehr günstigen Preis exotische Waren zu importieren. Seien es Südfrüchte, Gewürze, Tee, oder Kaffee. Während z.B.  der Kaffeegenuß früher eine Recht teure Angelegenheit war, so ist dies heute für die meisten Haushalte keine Geldfrage mehr.

Zum Vergleich: Lt dem deutschen Wirtschaftsinstitut musste ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im Jahre 1950 für 500g Bohnenkaffee 26 Stunden (!) arbeiten, während dies für einen Arbeitnehmer im Jahre 2009 nur noch eine Sache von 19 Minuten war ( Quelle ).

Das ist per se keine schlechte Angelegenheit, doch verleiten ein niedriger Preis, die breite Verfügbarkeit und die einfache Zubereitung dazu dieses Getränk (wenn wir mal bei dem Kaffee bleiben) gedankenlos zu verkonsumieren.

Morgens erst einmal eine Kanne Kaffee reinkippen. Geschmack fast egal, Produktionsumstände egal, Hauptsache billig & wach werden. Es geht bei diesem Beitrag nicht darum mit erhobenem Finger anzuklagen und wieder einmal irgendwelche Bauern, die für Kleinstbeträge Kaffeebohnen ernten, hinter dem Ofenrohr hervorzuziehen. Aber es kann nicht schaden sich um ein paar Dinge Gedanken zu machen.

Z.B um folgende:  Schade ich in übergroßem Maße der Umwelt, oder meinen Mitmenschen?! Wenn ich schon der Umwelt schade, genieße ich dieses Produkt wenigstens? Habe ich mein Preis/Leistungsoptimum erreicht? Und warum konsumiere ich dieses Produkt?

Wenn wir schon bei der Thematik Kaffee sind, dann bleiben wir auch dabei. Der Kaffee als solcher kann auf eine lange Tradition zurückblicken (in einem gesonderten Beitrag werde ich auf den Kaffee, also die Herkunft, Zubereitungsmöglichkeiten, usw. genauer eingehen).

Es wird diesem schönen Getränk und der Umweltbilanz aber  einfach nicht gerecht, wenn man sich am Morgen gedankenlos nur eine per Filtermaschine zubereitete schwarze Plörre reinzieht. Ja, ganz genau schwarze Plörre! Das fängt bei den gemahlenen, qualitativ niedrigsten, Kaffeebohnen im Supermarkt an. Sobald Kaffeebohnen gemahlen werden, fangen sie an innerhalb kürzester Zeit ihr Aroma zu verlieren. Bei der Zubereitung des Kaffees geht es dann weiter. Durch zu langen und falschen Kontakt mit zu heißem Wasser werden alle Restaromen die vielleicht noch im Kaffee verblieben sind vernichtet. Übrig bleibt einfach nur etwas heißes, schwarzes mit viel Koffein.

Noch einmal! Es geht nicht darum aufzurufen nur noch handgepflückte Kaffeebohnen vom südamerikanischen Mark einzukaufen, selbst zu rösten, morgens fünf Stunden vor Arbeitsbeginn in einem komplizierten Prozess den Kaffeegenuß von langer Hand vorzubereiten um in einem religiös anmutenden Ritual in Verzückung vor dem Kaffee herniederzufallen.

Aber es gibt durchaus preiswerte Methoden um Kaffee auf eine unkomplizierte Art & Weise genießen zu können, ohne dabei auf guten Geschmack verzichten zu müssen.

Dieses Beispiel kann man nun natürlich auf vielfältige Lebensbereiche übertragen. Sei es bei der Kleidungswahl, der Nahrungsmittelbeschaffung, oder auch technischen Errungenschaften. Soweit es möglich und zeitverträglich ist, lohnt es sich auch einmal die Hintergründe eines Produktes zu beleuchten. Dies werde ich in nachfolgenden Beiträgen hoffentlich auf die eine oder andere Art zu Tage fördern können. um den geneigten Leser etwas Arbeit abzunehmen. Dieses Prozedere kommt außerdem auch mir zu Gute, denn wie der Titel verlauten lässt, erfolgt zwar eine innere Distanzierung zu dem billigsten Massenmarkt, jedoch ist in tatsächlicher Hinsicht noch ein großer Schritt zu leisten. Die Tat!

Und jetzt lieber Leser klicke, sofern du Spotify besitzt, doch das Lied an, und versetze dich einmal in folgende Situation.

Du sitzt vor einer schönen, dampfenden Tasse eines hervorragenden Arabica-Kaffees den du dir mit fachmännischen Wissen selbst zubereitet hast. Die Aromen, der Geschmack sind noch vollständig erhalten. Bei deinem ersten Schluck eröffnet sich dir eine aufregende neue Geschmackswelt…Du schmeckst den Hauch von Afrika. Du ziehst dir nicht einfach nur irgendetwas billiges rein um deine Pumpe auf 180 zu bringen. Nein! Das ist dein Optimum an Genuß und Lebensfreude! Mit einem völlig entspannten, aber anregenden Gefühl greifst du zum Brötchen, oder sofern es Sonntagnachmittag ist zum zartschmelzenden Kuchenstück! Das ist der Sinn einer Tasse Kaffee. Das bedeutet Leben… 🙂

Das ist Genuß!  

Euer Neomanu90

Neomanu90

Moin liebe Leute!

Ich bin der Neomanu, Bewohner des hohen Nordens und Betreiber dieses Bloges. Meines Zeichens bin ich studierter Wirtschaftsjurist, derzeit Angestellter im öffentlichen Dienst und zufriedener Mittzwanziger.

In meiner Freizeit pflege ich eine Vielzahl von Hobbys. Unter anderem das der Fotografie, Literatur, Musik, Sport, Videospiele, u.v.m.

Etwas mehr über mich findest du in "Über mich".

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