Facebook – Oder: Sach mal, wie ist deine Fax-Nummer?

Ich weiß noch wie ich das erste Mal von einer Freundin von diesem „unglauuublich coolen Faacebook“ hörte… Da zu diesem Zeitpunkt viele meiner Kontakte „dahinwechselten“ schaute ich mir mehr widerwillig, als gespannt dieses dubiose Gesichtsbuch mal an…
Erster Blick: Was ist das denn für ein Schrott??!

Zweiter Blick: Hey, hier kann ich ja meinen neuronalen Müll noch mehr Menschen kundtun als in den vorherigen Portalen! Katsching! Wirkungskreis erweitert! *____*

Dritte Blick: Post, Post, Post, Like, Bild hochladen, ….

Das ging dann auch die nächsten Jahre fröhlich so weiter und Facebook wurde eigentlich wann immer es ging besucht. Man hatte irgendwie das Gefühl Teil eines großen Ganzen zu sein und sein kommunikatives Verhalten zusammen mit anderen aktiv mitgestalten zu können… Man sharet sein Leben mit der Welt. Statt nur einer handvoll Menschen Zugang zu seinen Gedanken zu geben, konnte man dies nun auch mit den, statistisch gesehenen, 160 Bekannten die jeder Mensch hat. Quasie eine neue Ära.

Das Web 2.0!

Klicke ich mich durch alte Statimeldungen der letzten Jahre so treffe ich auf Menschen die heute nicht mal mehr meiner Freundesliste zieren, oder von denen ich zumindest monatelang nichts gehört und gesehen habe. Bei einigen denkt man „was die Leben noch?!“ Obwohl die genauso alt sind, wie man selbst.

Früher wurden viele meiner Post und Bilder geliked und insbesondere am Abend war der Chat brechend voll…teilweise musste ich wie in den „besten“ ICQ-Zeiten 7-8 Gespräche parallel führen.

2014 ist alles anders.

Voller Chat? Fehlanzeige…
Post geliked? Vielleicht 3…
Bilder? Gar nichts.

Nur Spiegel-Online postet fleißig -.-

Ich hab das Gefühl Facebook hat ungefähr dieselbe Beliebtheitsstufe erreicht wie AIDS in Afrika. Jeder hat es, aber keiner hat Bock drauf.

Klar, jede Generation der Jugend hat eine Sache mit der sie sich von der „erwachsenen Welt“ abzugrenzen sucht. Sei es die Hippibewegung in den 60iger/70igern, Punkrock in den 80igern, oder die Pokemon-sammelnden und Tamagochi-bedienenden Generation in den End-90igern. Aber in Zeiten in denen sogar Ur-Omi einen Facebookaccount hat um Selfies von sich auf der Altersheimtoilette zu knipsen ist Facebook ungefähr so cool wie ne Bundfaltenjeans.

Ohne Facebook den großen Untergang zu prophezeien, aber in der jetzigen Form blüht ihnen dasselbe Schicksal wie Myspace, oder dem guten alten Fax..
Man hat mal davon gehört „Aber hey, das ist doch nur was für alte Leute.“

Die große Frage ist: Was kommt als Nächstes? Im Gespräch sind Kandidaten wie Snapchat, Pinterest, oder Whatsapp. Ewig werden diese dann aber auch nicht an der Spitze bleiben. Denn sobald eine Sache auch die „Erwachsenen Welt“ durchdrungen hat, wird sie ja wieder uncool 🙂

Tatsache ist leider nur folgendes: Unser Leben wird immer mehr von Bildschirmen dominiert und das Internet ist längst zu unserer zweiten Realität geworden. Wir haben Götzen geschaffen, denen wir uns tagtäglich in jeglicher Form willig darbieten.

Wir sitzen alle vor unseren kleinen Bildschirmen und kommunizieren mit der „Welt da draußen“ doch sind in Wirklichkeit verlorener als je zuvor. Wir suchen nach immer neuen Sinnesreizen, wie Junkies die den letzten Dreck noch aus ihrer Spitze kratzen um wenigstens etwas Glück zu fühlen.

Zum Ende mag ein Zitat von Heinrich Heine in leicht abgewandelter Form dienen:

Denk ich an unser Kommunikationsverhalten in der Nacht, so bin ich um mein Schlaf gebracht.

Im wahrsten Sinne des Wortes! Das Fax hatte dann doch wenigstens ein Gutes: Hat man das Papier durchgejagt ist man gegangen.

Euer Neomanu90

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.