Warum ist die Motorradprüfung so schwer? Ein Tatsachenbericht

Als ich am Morgen des 14. Juli 2016 erwachte bot sich mir sogleich ein sehr erfreuliches Bild. Ein strahlend blauer Himmel, sowie ein sonnendurchfluteter Garten erschienen vor meinem aus dem Fenster wandernden Blick. Perfekt! Ich hatte mir für heute von der Arbeit bewusst frei genommen um mich ganz auf meine Praxisprüfung konzentrieren zu können. Die Theoretische hatte ich bereits mit zufriedenstellenden 0 Fehlerpunkten bestanden und nun trennten mich lediglich 60 lapidare Minuten von ausgedehnten Fahrten auf meinem noch nicht vorhandenen Motorrad.

Voller Hoffnung, dass dieses traumhafte Wetter mindestens bis zur Mittagsstunde anhalten würde, schwang ich mich aus meinem warmen und bequemen Bett um mich mental, sowie körperlich auf die Prüfung vorzubereiten. Nach einer erfrischenden Dusche und einem ausgedehnten Frühstück beschloss ich die letzten zwei Stunden gemütlich auf dem Sofa zu verhampeln um mir noch einmal Tipps für die Grundfahrübungen durchzulesen (ich bin ein sehr theorieorientierter Mensch und außerdem hasste ich diese Übungen!). Während die Zeit so dahinfloss verfinsterte der Himmel sich jedoch zunehmend und dunkle Wolken schoben sich in den vormals blauen Himmel.

Während meiner Fahrstunden hatte ich leider bereits mehrfach das Vergnügen mit regnerischem Wetter machen dürfen und diese Stunden gehörten definitiv nicht zu meinen besten Fahrleistungen. Es schien fast so als wolle der Himmel ein Komplott mit dem TÜV-Nord eingehen um mir noch mehr Geld aus der Hosentasche zu leiern. Mit ungutem Gefühl zog ich meine Motorradkleidung an und machte mich auf den Weg zur Fahrschule. Nach kurzer Einweisung und Vorbereitung auf die Prüfung ging es dann Richtung TÜV. Als wir dort ankamen und ich das Motorrad gerade abstellte fing es wie aus Eimern zu regnen an. Ich fluchte innerlich und befürchtete für meine Prüfung das Schlimmste.

Nach ca. 15 Minuten Warterei im TÜV-Gebäude, gefühlt war es mindestens doppelt so lange, ging es endlich los. Während ich draußen schon ungeduldig am Motorrad hantierte kam die kurzhaarschnitttragende Prüfer(in!) mit finsterem Blick und der Frage ob ich dieses Wetter bestellt hätte auf mich zugestiefelt. Mit meinem sonnigsten Grinsen verneinte ich. Begeisterung sah anders aus. Zwischenzeitlich hatte es zumindest aufgehört zu regnen, so dass die Prüfung wenigstens im Trockenen beginnen konnte. Mit der Aufforderung die Beleuchtungsanlage zu kontrollieren begann die Prüfung und nach dem ich alles auf Funktionalität überprüfte hoppste ich auf das Zweirad und es ging los. Auf dem Weg zu den Grundfahrübungen schaffte ich es aber auf jeden Fall schon einmal noch ganz knapp über eine gelbe Ampel zu jagen, während das Prüferauto im Spiegel hinter mir entschwand. Das fing ja gut an…

An gewünschter Stelle angelangt begann der Teil, welchen ich am meisten fürchtete und den ich auf Teufel komm raus nicht ausstehen konnte. Die Grundfahrübungen. Eine Erfindung des Teufels höchstpersönlich um arglosen Fahrschüler so viel Geld wie irgend möglich abzuluchsen und ihnen jeglichen Spaß am Motorradfahren zu nehmen. Meine persönliche Hölle stellte der Slalom in Schrittgeschwindigkeit dar. Ich fuhr als Fahrschulmotorrad eine Kawasaki ZR-7, welche ein Leergewicht (!) von 228kg aufweist. Damit adäquat im Schneckentempo um diese vermaledeiten Hütchen herum zu lenken ohne davon auch nur eines umzustoßen ist ungefähr so einfach und stressfrei wie auf einem Schwebebalken bei Windstärke 10 zwischen zwei Hochhäusern mit einem Einrad von einer Seite zur nächsten zu balancieren, während man mit Kettensägen jongliert und Schillers Glocke rezitiert.

Zu meiner größten Überraschung schaffte ich jedoch tatsächlich alle Grundfahrübungen beim ersten Mal! (Na gut, Bremsen und Ausweichen musste ich noch einmal wiederholen). Ich vermute allerdings das ich beim Slalom Schrittgeschwindigkeit wahrscheinlich die Augen geschlossen hatte und meine zitternden Hände das Motorrad einfach mal selbst gelenkt haben.
Innerlich dachte ich danach nur: Grundfahrübungen B-E-S-T-A-N-D-E-N!! (JAAAAAA!!). Der Lappen ist dir nun so gut wie sicher! Woohooo!

Oh, wie man sich irren kann…

Mit Abschluss der letzten Übung fing es nun richtig an zu schütten…In kürzester Zeit wurde meine Motorradkleidung mit dem himmlischen Nass durchtränkt und ich kam mir vor wie ein 5 jähriger kleiner Junge auf Hochsee. Entspannte Prüfung? Weit gefehlt.

Bei diesem traumhaften Wetter ging es über die Landstraße, die Autobahn, Kopfsteinpflaster in der Stadt und allerlei sonstige Mist-Situationen im Stadtverkehr (enge Passagen, Fußgängerüberwege, Tempo 30 Zonen, etc).
Dann passierte es…. Kurz vor dem TÜV-Gelände sprang die vorletzte Ampel, welche mich von meinem Traum auf Zwei Rädern trennte auf gelb. Innerlich ratterte es. Gas geben? Bremsen? Gas geben? Bremsen? Im letzten aller Augenblicke entschied ich mich den Gang runterzuballern und den Gashahn voll aufzudrehen.

Über Funk hörte ich nur: „Einmal bitte bei der Bushaltestelle rechts anhalten.“
Sch***!! Du hast diesen Mist Slalom geschafft Diese schlimmste aller Übungen! Der Kim-Jong-Un unter den Grundfahrübungen. Der Assad aller Fahrstunden. Der Stalin unter…. Ach keine Ahnung! und dann bist du über ne ver**** rote Ampel gefahren. Wie dumm kann man denn sein?! Alles noch mal!! Ich hätte in dem Augenblick einfach nur heulen können. Die Prüfung war gelaufen…

Als sich am Ende der Prüfung alle auf dem TÜV-Gelände versammelten kommt die Prüferin auf mich zu und fragt: „Na, was meinen Sie denn selbst dazu?!“ Da ich in dem Augenblick absolut kein Bock auf Ratespielchen habe erwiderte ich nur: „Sicherlich werden Sie mir das gleich sagen.“

Als sie dann die erlösenden Worte: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die Fahrprüfung bestanden“ von sich gab machte es in meinem Kopf nur noch *dingdingdingdingdingdingding* Der Nachsatz, „das war aber definitiv keine Glanzleistung von Ihnen“ tangierte mich allenfalls nur noch peripher. Bis ich meinen Lappen dann sicher in meiner Hand hielt versuchte ich einfach nur noch nicht irgendwie dumm aufzufallen.

Auf der Fahrt nach Hause schrie ich immer wieder und wieder: „Beeestaaanden!! Ich hab meinen Lappen!! Ich hab meinen Lappen! Bestaaanden!! Ihr könnt mich alle mal!“ in meinen Helm, während der Regen auf mich herunterprasselte. Auf einmal fühlte der Regen sich wie eine Umarmung des Himmels an. Der Himmel selbst gratulierte mir!

Vollkommen durchnässt, aber endlos glücklich Zuhause angelangt lehnte ich mich erst einmal  entspannt zurück und begab mich sofort auf die Suche nach einem adäquaten Zweiradgefährt….Das Glück war mal wieder auf meiner Seite!

Euer Neomanu90

Sich selbst überraschen ist doch am schönsten!

Sich selbst überraschen ist doch am schönsten!

Neomanu90

Moin liebe Leute!

Ich bin der Neomanu, Bewohner des hohen Nordens und Betreiber dieses Bloges. Meines Zeichens bin ich studierter Wirtschaftsjurist, derzeit Angestellter im öffentlichen Dienst und zufriedener Mittzwanziger.

In meiner Freizeit pflege ich eine Vielzahl von Hobbys. Unter anderem das der Fotografie, Literatur, Musik, Sport, Videospiele, u.v.m.

Etwas mehr über mich findest du in "Über mich".

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