Gutenachtgeschichte gefällig?
Meine Woche ohne Schlaf

Warum schlafen wir? Was bringt uns dazu Nacht für Nacht mindestens 6-8 Std. in ein warmes kuscheliges Bett zu kriechen, die Augen zu schließen und in eine kurze Phase des Todes zu fallen?

Natürlich, wir sind müde und sehnen uns nach Schlaf, aber warum ist das so? Interessanterweise denken 9 von 10 Deutschen, dass der Körper den Schlaf zur Erholung benötigt. Aber dem ist gar nicht so! Bräuchte der Körper Erholung könnten wir uns genauso gut auf das Sofa legen und wären ebenso fit. Dennoch gehen wir wenn es dunkel wird (meistens jedenfalls) in unsere jeweiligen Schlafgemächer.

Während ich am Sonntag so müde vor mich hindümpelte und mir wünschte ich hätte die Nacht davor meine Augen länger geschlossen gehalten, kam mir die Idee, welche ich innerlich schon seit geraumer Zeit verfolgte. Wie lange halte ich es eigentlich ohne Schlaf aus? Ein kurzer Ausflug in die Welt der Suchmaschinen verriet mir, dass die längste dokumentierte Schlafabstinenz elf Tage und elf Nächte betrug. Das ist mal eine Hausnummer… 264 Stunden ohne ein weiches Kissen und eine noch viel weichere und zauberhafteren Bettdecke… Doch bei dem Gedanken so lange wie möglich wach zu bleiben durchflutete mich Erregung. Nur die Augen aufhalten…das muss doch möglich sein! Und fortan war mein Plan geboren. Flugs den Terminkalender gecheckt um zu sehen das diese Woche für mein Vorhaben perfekt geeignet scheint. Alles frei bis Sonntag. Kein Autofahren, nichts. Nur wach sein und funktionieren. Klingt machbar. Was mich an der Geschichte insbesondere reizt, ist der Umstand, dass ich nichts benötige bis auf offene Augen und einem eisernen Willen.

Also startet ab heute dem 02. Februar 2015 mein Experiment. Ziel ist es, mindestens 48 Stunden also bis Mittwoch um 12 Uhr Mittag wach zu bleiben. Wünschenswert wären 96 Stunden, bis Freitag, und das absolut genialste Optimum bis Sonntag, 144 Stunden, ohne Schlaf. Letzteres werde ich denke ich mal nicht realisieren können, aber bis Freitag würde ich schon gerne schaffen. Die Zeit werde ich zwischendurch nutzen um einige liegengebliebene Dinge zu erledigen. Unter anderem meinen Blog auf Vordermann zu bringen, Filme schauen, aufräumen, usw.

Kaffee und möglicherweise Koffeintabletten werden mir dabei behilflich sein im Reich der wachen Menschen zu verbleiben.

Während des Ereignisses werde ich desweiteren jegliche wichtigen Zwischenstationen Audiovisuell begleiten um neben der schriftlichen Fixierung auch eine vertonte Bewegtbildaufnahme zu haben.

Start des Experimentes

02. Februar 2015 – 12:00 Uhr (Stunde 0)

Ich öffne die Augen und weiß, dass der Tag gekommen ist. Ab heute werde ich so lange wie möglich wach bleiben. Einerseits bin ich sehr gespannt wie weit ich komme, andererseits habe ich jetzt schon Bedenken vor meinen Reaktionen wenn ich heulend durchs Haus renne und mich dafür verfluche was für eine bescheuerte Idee ich doch hatte und warum ich nicht einfach ins Bett gehen kann! Ich genieße die letzten 5 Minuten in meinem Bett und stehe um 12:05 Uhr auf. Das Experiment „Wachbleiben“ beginnt.

02. Februar 2015 – 21:00 Uhr (9 Stunden)

Ich bin erst seit 9 Stunden wach und doch schon müde. Es scheint so als wüsste der Körper bereits was ihn erwartet. Doch wenn ich an das Ergebnis denke, wenn ich endlich ins Bett fallen kann durchflutet mich wieder dieselbe Erregung wie zu dem Zeitpunkt an dem ich beschlossen habe das Experiment zu beginnen. Die Reaktionen auf mein Vorhaben sind auch ziemlich gespalten. Von „Hey cool, am liebsten würde ich mitmachen“,“Was bist du für ein bescheuerter Volltrottel“ und „Was bitte bringt dir das?“ war wohl so ziemlich alles dabei. Ich lasse mich auf jeden Fall nicht davon abhalten!

03. Februar 2015 – 09:00 Uhr (21 Stunden)

Ich habe mich mit Kaffee und Brötchen versorgt und dachte jetzt kann der Tag gut beginnen. Weit gefehlt. Um ein bisschen Zeit rumzukriegen setzte ich mich vor den Fernseher und hab mir ne Terra X – Doku über Pharaonen angemacht. Das hätte mich fast das Experiment gekostet. Ich merkte wie die Arme des Schlafes mich in ihre Welt hineinreißen wollten. Süße Versuchung die Augen zu schließen und sei es nur für einen Moment. Mit letzter Kraft aus dem Sofa erhoben und nach den täglichen Morgenroutinen vor den PC verpflanzt um meinen Geist beschäftigt zu halten. Ich merke wie ich wieder in der Welt der Lebenden angekommen bin. Nachrichten welche mich auf meinem Handy erreichten konnte ich wenigstens wieder halbwegs klaren Sinnes beantworten. Weiß schon was ich nach dem Experiment mache….

03. Februar 2015 – 12:00 Uhr (24 Stunden)

Die erste Etappe ist nun endlich geschafft und es sind 24 Stunden seit meinem letzten Schlaf vergangen ohne in denselben zu fallen. Körperlich fühle ich mich durchwachsen. Generell würde ich nicht sagen das mir etwas fehlt, aber ich merke doch eine Art beklemmendes Gefühl und hinter den Augen macht sich das Bedürfnis Schlafen zu wollen breit. Am besten ihr schaut euch das Video an.

04. Februar 2015 – 00:35 Uhr (36 Stunden)

Das erste Teilziel liegt bereits greifbar vor mir. Nur noch 12 Stunden des wachen Zustandes trennen mich vom ersten Ziel des „48 Stunden auf den Schlaf zu verzichten“. Körperlich geht es mir bis auf einen ganz leichtes Pochen im vorderen Frontallappen ziemlich gut. Sieht man einmal von dem Männchen, welches mir permanent die Augenlider herniederkurbeln will, ab. Keine Halluzinationen, oder sonstige Einschränkungen. Allerdings merke ich das mir schon einfache Fragen z.B. zu meinem Tagesablauf Schwierigkeiten bereiten und ich wirklich stark überlegen muss bevor ich richtig antworten kann. Auch einfache Rechenaufgaben verlangen eine größere Anstrengung ab. Außerdem merke ich während des Schreibens dieses Textes das sich doch langsam eine Veränderung einstellt. Die Augen werden deutlich schwerer als sonst. Ich werde das Beobachten. Zum Glück haben wir Vollmond…

04. Februar 2015 – 16:05 Uhr (52 Stunden abzgl. 2 Stunden)

Soo leider bin ich heute zwischen 07:30 Uhr und 9:00 Uhr im Land der Träume versackt…ich habe mich ziemlich über diesen Umstand geärgert und weiß auch noch nicht wie ich dies auf die gesamte Zeit verbuchen soll…Total gesehen habe ich bisher 43 Stunden auf den Schlaf verzichten können. Im Gesamtkonzept beträgt die Zeit nun abzüglich der 2 Stunden (2 Stunden daher, weil ich auf die 90 Minuten noch ein bisschen rumgedöse etc. raufrechne) 50 Stunden. Ich weiß leider auch nicht inwieweit der kurze Schlaf dazu geeignet war meinen Kopf wieder in eine normale Bahn lenken zu können. Wie wird sich das auf mögliche psychische Umstände wie z.B. Halluzinationen auswirken? Das wird im Näheren zu beobachten sein. In meinem Kopf kristallisiert sich aber ein Plan heraus mein Wachseinszustand auf Sonntag auszudehnen, denn dann habe ich neben dem totalen Ergebnis von 144 Stunden auch eine totale Schlafabstinenz von 96 Stunden. So lange es hell ist habe ich im übrigen keinerlei Probleme wach zu bleiben, aber senkt sich die Dunkelheit auf die Erde fallen auch meine Augen zu… Also auf in den Kampf!!

05. Februar 2015 – 00:40 Uhr (60 Std + abzgl. 2 Stunden / Reale Schlafabstinenz: 12 Std )

Der ganze Tag ging heute viel zu einfach rum. Keine Müdigkeitsattacken, alles ganz easy und chico. Ich vermute mal das liegt daran, dass ich heute 90 Minuten geschlafen habe und zwischen 12 und 1 auch noch einmal…Jetzt ist der Körper in den Resetmodus gefallen und ich stehe irgendwie am Anfang. Das nervt mich. Ziel ist es mindestens die 48 Stundenmarke zu knacken und daher werde ich ab dem 04. Februar 2015 13 Uhr noch einmal neu mit dem Countdown beginnen. Wir stehen also bei 12 Std und ich fühle mich kein Stück müde.

05. Februar 2015 – 14:10 Uhr

Ja, heute morgen war es dann Tatsache soweit. Der Schlaf hat mich komplett eingeholt. Der Plan dem Bedürfnis nach Schlaf mit einem Film wie „Das Fenster zum Hof“ zu entfliehen erwies sich als trügerisch. Genervt habe ich dann also heute morgen um 07 Uhr das Experiment auf Eis gelegt und beschlossen „Jetzt zu Schlafen!“, ganz egal was passiert…Da ich allerdings schon wieder um 11 Uhr erwachte und die Woche auch noch nicht rum ist (alle guten Dinge sind Drei), läuft seit heute um 11 Uhr der dritte und letzte Versuch. Das Ziel ist dabei nach wie vor die 48 Stundenmarke ohne Schlaf zu knacken. Bis Sonntagabend wären maximal 85 Stunden an wach sein drinne. Mal sehen wie weit ich dieses Mal gelange…

43 Std, 17 Std,

Neomanu90

Moin liebe Leute!

Ich bin der Neomanu, Bewohner des hohen Nordens und Betreiber dieses Bloges. Meines Zeichens bin ich studierter Wirtschaftsjurist, derzeit Angestellter im öffentlichen Dienst und zufriedener Mittzwanziger.

In meiner Freizeit pflege ich eine Vielzahl von Hobbys. Unter anderem das der Fotografie, Literatur, Musik, Sport, Videospiele, u.v.m.

Etwas mehr über mich findest du in "Über mich".

1 Antwort

  1. Sehr geehrter Herr Neomanu,

    ich denke doch, Sie sind sich der Konsequenzen Ihres Projekts bewusst? Nun gut. Nehmen wir an dies sei so. Bitte achten Sie darauf, eine gute und gesunde Ernährung zu pflegen und Ihre persönlichen Muster beizubehalten. Auch vernachlässigen Sie Ihren Körper nicht und Ihre Familie sowie Freunde. Ein glücklicher Mensch und ein lebensfroher wird denke ich lieber wach bleiben wollen als ein bedrückter mit einem innerlichen Konflikt.

    Ich werde Ihr Projekt mit Freude weiterverfolgen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Liv.

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