Interstellar – Wie ich ein Meisterwerk fand und doch wieder verlor

Ein Trailer der einen ersten Eindruck vermittelt:

Quelle: Youtube / Warner Bros. De

Allgemeines

Interstellar ist der neueste Film des Regisseures Christopher Nolan (Batman-Trilogie, Inception, Memento) und spielt in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts. In dieser hat die Welt sich von Militär & Forschung abgewandt.
Einrichtungen wie die NASA werden als Geld- und Ressourcenverschwendung angesehen und deren Programme daher eingestampft. Das primäre Ziel der Menschheit besteht viel mehr in der Nahrungsmittelbeschaffung, welches allerdings durch ständig wiederkehrende Ereignisse wie z.B. riesigen Staubwolken oder dem pflanzenzerstörenden Mehltau erschwert wird.
Viele Nahrungsmittel können inzwischen überhaupt nicht mehr angebaut werden, weshalb die Farmer in Nord-Amerika hauptsächlich einigermaßen widerstandsfähiges Mais pflanzen.
In dieser Welt verdingt sich der ehemalige NASA-Astronaut Cooper (Matthew McConaughey) als Farmer der mit seinem Schwiegervater (John Lithgow), sowie seinen beiden Kindern Murphy (Mackenzie Foy) und Tom (Timothée Chalamet) eine Farm bewirtschaftet. In Murphys Zimmer häufen sich jedoch Ereignisse die sie und ihren Vater veranlassen mit einer Suche zu beginnen. Mehr will ich an dieser Stelle nicht von der Handlung verraten und weitere Teile, welche sich auf die Handlung beziehen sind deutlich mit einer „Spoiler-Warnung“ hinterlegt.

Jonathan Nolan (der Bruder von Christopher Nolan) verfasste 2007 das Drehbuch zu Interstellar. Ursprünglich sollte der Film von Steven Spielberg gedreht werden, allerdings trat er aufgrund Zeitmangel an Christopher Nolan ab. Dieser überarbeitete das Drehbuch seines Bruders Jonathan und begann zusammen mit seiner Frau Emma Thomas (als Produzentin) am 13. August 2013 mit den Dreharbeiten in  Kanada. Weitere mir bekannte Drehorte waren Island und Kalifornien.

Erster Eindruck

Ich sah diesen Film gestern, ein paar Tage nach dem offiziellen Deutschlandstart (06.11.14). Über ein paar Ecken habe ich schon von Interstellar gehört, wusste allerdings nur das Matthew McConaughey einen Farmer spielt der mal Astronaut war. Mit halbem Ohr, habe ich noch diverse Lobeshymnen gehört, allerdings nichts wirklich genaues. Also entschied wir uns spontan in kleinem Kreise das städtische Kino aufzusuchen um diesen Film einer näheren Betrachtung zu unterziehen.

Während des Filmes selbst, fühlte ich mich des öfteren an Filmklassiker wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ erinnert (also soviel muss ich verraten: es geht um Weltraumflüge! surprise!). Auf die Frage ob Nolan diesen als Inspiration für „Interstellar“ genutzt habe sagte er gegenüber der Entertainment Weekly:

“I think anytime you look at science fiction in movies, there are key touchstones.Metropolis. Blade Runner. 2001. Whenever you’re talking about getting off the planet,2001 is somewhat unavoidable. But there is only one 2001. So you don’t want to get too near to that.”

Weiterhin sagte er:

„I do believe he (Stanley) is inimitable. But you can be inspired. You can be inspired to aspire to be that confident.

Nolan bezieht seine Inspiration, also durchaus aus dem Werk des guten Kubrick, versucht diesen aber nicht zu kopieren. Eher strebt er nach dem Selbstbewusstsein eines Kurbricks etwas vollständig Neues zu wagen.

Ich finde Nolan ist dieser Spagat zwischen „blindem Kopieren“ und dem „Elemente-bewusst-herauszupicken-um-diese-selbst-zu-verwenden“ gut gelungen. Vor allem empfinde ich Interstellar wesentlich besser, als 2001.

Ja, steinigt mich.

Vielleicht habe ich 2001 auch nur einfach nicht verstanden, aber mir kam der Film seinerzeit eher wie ein gehyptes und überlang produziertes Filmwerk eines ACID-Konsumenten vor.

Interstellar hat jedoch geschafft, was 2001 nicht gelungen ist. Er hat mich jede Minute gefesselt, ohne mich genervt auf die Uhr blicken zu lassen, oder mich zu fragen wie lange die Affen den Monolithen denn jetzt noch anglotzen wollen…

Zu Metropolis und Bladerunner und deren mögliche Einflüsse auf den Film kann ich leider noch nichts sagen, da diese seit einiger Zeit darauf warten von mir gesehen zu werden…

Besetzung / Schauspielleistung

Hauptakteure des Filmes sind Matthew McConaughey alias Cooper der NASA-Pilot, Vater und Farmer; Anne Hathaway (Der Teufel trägt Prada, Plötzlich Prinzessin) alias Dr. Amelia Brand und Mackenzie Foy (Breaking Dawn) bzw. Jessica Chastain (Dark Zero Thirty), als Coopers Tochter Murphy.

In den Nebenrollen tauchen Michael Cane (Batman-Reihe, Inception) als Professor Brand, Matt Damon (Bourne-Reihe, Soldat James Ryan) als Dr. Mann,  John Lithgow als Schwieger- und Großvater Donald,  David Gyasi (Cloud Atlas) als Romilly und Wes Bentley (Tribute von Panem) als Doyle auf.

Da ich zur Erläuterung der Figuren zu sehr auf die Handlung eingehen müsste, unterlasse ich eine Betrachtung an dieser Stelle. Außerdem habe ich während dem Schreiben gemerkt das eine weitere gedankliche Auseinandersetzung mit den Zielen und der Handlungsweise der Figuren notwendig wäre um auch etwas adäquates zu Papier bringen zu können. Vielleicht folgt eine differenzierter Betrachtungsweise an einem späteren Punkt.

Bis hierhin kann ich bis auf vereinzelte Stellen den Schauspielern insgesamt eine sehr gute, nachvollziehbare Handlungsweise attestieren. Auch die schauspielerischen Leistungen bewegten sich fernab eines nachmittäglichen Pöbel-Amateurschauspielers. Außerdem empfand ich keinen der Schauspieler für die gespielte Rolle als Fehlbesetzung. Zu Beginn war ich zwar noch etwas skeptisch,ob des Einsatzes von Matthew McConaughey, oder Anne Hathaway, aber dies hat sich im Laufe des Filmes schnell gelegt

Technik

Sehr sympathisch im „Zeitalter des Greenscreen“, ist Christopher Nolans Vorliebe für detailgetreue und reale Filmsets. Die in Interstellar gezeigten Lokalitäten wurden auch tatsächlich besucht, anstatt nur eine grüne Filmwand zu nehmen und zu sagen: „Okay und jetzt tut so als ob hier ein Sandsturm auf euch zu rast“. Das fing bei vergleichsweise kleinen Dingen wie dem Anbau von 2 km² Mais an und vollzog sich bis zum Bau, mittels Hydraulik vollbeweglicher, Raumschiffe. Natürlich kommen so auch leicht 165 Millionen Dollar Produktionskosten zusammen, ist mir aber allemal lieber als eine lieblos zusammengeschusterte Filmkulisse.

Ein für mich weiter interessanter Fakt ist die Tatsache, dass für den Film der renommierte Physiker Kip Thorne engagiert wurde. Natürlich erhebt dies den Film nicht zu einem wissenschaftlichen Film, jedoch gibt er diesem das überaus interessante Grundgerüst.

Bild / Ton

Interstellar wurde mittels sogenannter „IMAX-Kameras gedreht. Da zu diesem Zeitpunkt 35mm,70mm,IMAX, 4K und weitere Bezeichnungen noch größtenteils böhmische Wälder für mich sind, verweise ich auf die tolle Erklärungen von digitaleleinwand.de. Was ich weiß: Diese Kameras sind sehr, sehr teuer…

Filme von Nolan sind allgemein dafür bekannt bildgewaltig daher zu kommen. Bestes Beispiel ist hier für sicherlich „Inception“ und das sich plötzlich drehende Paris. Interstellar macht hierbei wahrlich keine Ausnahme und ohne zuviel von der Handlung verraten zu wollen:

Spoiler
 Auch die restliche Bildpräsentation schmeichelt dem Auge. Nichts wirkte auf mich matschig, zu quirlig, oder aber auch farblos. Die Handlungsorte sehen allesamt realistisch und sehr gefällig aus.

Auch das es im Weltraum aufgrund des Vakuums keine Schallwellenausbreitung geben kann wurde in diesem Film beachtet.  Interessanter Nebeneffekt ist die Stille, welche einem bei der heutzutage vorherrschenden Dauerbeschallung einen Moment des Innehaltens gibt. Gab es jedoch Stellen mit Ton (keine Sorge, die gibt es reichlich) so empfand ich dies von der Lautstärke und auch dem Einsatzpunkt passend. Keine überladenen Explosionen, sowie dazugehöriger Soundkulisse im Michael-Bay Stil trübten hier das Hör- und Sehvermögen.

Musik

Die Filmmusik wurde von Hans Zimmer komponiert und ist daher wie gewohnt mit der Bezeichnung „episch“ zu titulieren. Inbesondere die Kombination zwischen den Bewegungen im Bild und der dazugehörigen Musik ließen neben der Spannung auch noch ein Gefühl eines choreographierten Tanzes aufkommen, was mich geradezu zum „mitschweben“ einlud (oha, da haben wir wohl wieder das ACID ). Wieder etwas das mich in Zusammenhang mit der Lokalität Weltraum, auch an 2001 erinnert. Jedoch in einer gefälligeren Art und Weise.

Interessanterweise entstand das Hauptthema der Musik, ohne das Zimmer wusste um was für einen Film es sich überhaupt handelte. Wie der Guardian in einem Artikel berichtet, fragte Nolan, ob Zimmer ihm innerhalb eines Tages, ein Musikstück komponieren könne, wenn er ihm nur eine Seite mit Notizen darauf gäbe. Zimmer sagte zu und so bekam er das Originalpapier auf dem mehr oder weniger eine Geschichte 

Spoiler

Somit erklärt sich für mich auch ein Großteil der emotionalen Komponente, welche sich aus dem Hören der Musik ergibt.

Spoiler
 Das transportiert die Musik meiner Meinung nach auch in den richtigen Momenten auf eine bewegende Art und Weise. Ich warte daher sehnsüchtig auf das Erscheinen des Soundtracks bei Spotify.

Schlussbetrachtung

Selten hat ein Film mich den Abspann verfolgen lassen, ohne ein Wort zu verlieren nur nachdenklich auf die Leinwand blickend. Interstellar, ist einer der wenigen Filme die dieses geschafft haben.  Jedoch hat ein Film mich auch selten so „gespalten“ zurückgelassen. War die Bild- und Musikpräsentation phänomenal, die schauspielerische Leistung überzeugend, so hat mir doch etwas gefehlt.

Einerseits war ich nach dem Film in einer „Wow-der-Film-war-einfach-so-mega-grandios-super-duper-cool-Stimmung“, andererseits hat mir eine Stimme im Kopf gesagt: Da FEHLT noch was!

Verglichen mit einem „Transformers 238“, oder einem „Aliens-greifen-die-Erde-an-und-amerikanische-zweite-Weltkriegs-Veteranen-und-Rhianna-retten-uns-alle-super-Battleship“ ist „Interstellar“ natürlich grandioses Kino. Aber etwas in mir weigert sich, ihn auch zu den ganz Großen wie z.B. „Der Pate“, „Die Verurteilten“, „Herr der Ringe“, oder „Star Wars“ zu zählen…
Vielleicht ist es auch einfach nur, wie mit einem Wein: Je mehr Zeit vergeht, desto größer die Fangemeinde?!

Wahrscheinlich werde ich diesen Film noch ein weiteres Mal im Kino ansehen, daher halte ich mich mit einem abschliessendem Kommentar zu diesem Zeitpunkt bedeckt.

Was ich jedoch zu diesem Zeitpunkt schon sagen kann: Der Film ist sein Geld definitiv wert!

Euer Neomanu90

Neomanu90

Moin liebe Leute!

Ich bin der Neomanu, Bewohner des hohen Nordens und Betreiber dieses Bloges. Meines Zeichens bin ich studierter Wirtschaftsjurist, derzeit Angestellter im öffentlichen Dienst und zufriedener Mittzwanziger.

In meiner Freizeit pflege ich eine Vielzahl von Hobbys. Unter anderem das der Fotografie, Literatur, Musik, Sport, Videospiele, u.v.m.

Etwas mehr über mich findest du in "Über mich".

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