Über die Kunst sich nicht ständig zu vergleichen

Neulich habe ich mich wieder dabei erwischt, wie ich mich verglichen habe. Während ich die Bilder von Mikko Lagerstedt (einem tollen Fotografen aus Finnland) bewunderte, fragte ich mich warum ich überhaupt die Kamera in die Hand nehme, wenn es solche genialen Bilder und insbesondere Fotografen gibt an deren Qualität, oder Können ich bestenfalls kratze. Das demotivierte mich dermaßen, dass ich an diesem Tag keine Lust mehr verspürte meine Bilder in Lightroom weiter zu bearbeiten.

Was zum Geier ist hier passiert und warum?

Warum du dich vergleichst!
In der Fachwelt nennt man diese Vergleiche „Abwärts- und Aufwärtsvergleiche“. Der gute Leon Festinger hat sich dazu mal Gedanken gemacht und diese in der Theorie des sozialen Vergleichs manifestiert. Kurz gesagt, besagt diese Theorie, dass Menschen das Bedürfnis haben ihre Umwelt und sich selbst ständig zu bewerten und sich daher mit anderen vergleichen und gleichzeitig danach streben ihre Fähigkeiten zu maximieren.

Je nach dem wen wir zum Vergleich heranziehen, spricht man von einem Abwärts- oder Aufwärtsvergleich.

 

Abwärts gerichteter Vergleich

Sitzen wir in Jogginghose (nichts gegen Jogginghose!), fettigen Haaren, und pizzabeflecktem Feinrippunterhemd auf dem heimischen Sofa, während wir der „Alten“ in der Küche zurufen unser verf***, sch*** Bier sei leer und über die H****** bei „Verklag mich doch!“ ablabern, sprechen wir von einem abwärtsgerichteten Vergleich. Man blickt also auf Personen herab denen es vermeintlich schlechter, oder genauso schlecht geht wie einem selbst. Ziel ist es, das eigene Wohlbefinden, bzw. das Selbstwertgefühl zu steigern mindestens aber zu erhalten. „Siehste, die tun ja viel assiger sein als ich!“

Aufwärts gerichteter Vergleich

Logischerweise macht dieser Vergleich genau das Gegenteil. Personen die in der relevanten Disziplin, in meinem Falle der Fotografie, vermeintlich besser sind werden bewundernd betrachtet. Man will von ihnen lernen und genauso sein wie diese. Hier können zweierlei Dinge passieren. Entweder, ich nehme mir diese Person zum Vorbild und sage „Hey, ich werde jetzt so lange üben bis ich genauso gut bin wie er!“. Oder ich fange an meine eigenen Fähigkeiten auf eine negative Weise infrage zu stellen in dem ich mich verhalte wie oben beschrieben.

Problematik

Bis zu einem gewissen Grad ist der Vergleich mit anderen Menschen sicherlich sinnvoll und wie durch die Sozialpsychologie nachgewiesen wurde vergleichen wir Menschen uns ständig miteinander (dabei ist es unerheblich ob der Vergleich abwärts, oder aufwärts gerichtet ist!). Insbesondere dann, wenn wir auf einem bestimmten Gebiet unsicher sind und unsere eigenen Fähigkeiten objektiv einschätzen möchten. Der Vergleich kann uns bestätigen, dass wir uns auf dem richtigen Wege befinden, oder uns aber dazu anspornen mehr zu leisten bis wir den gewünschten Standard erreicht haben. Ein zu häufiges Nachgrübeln über diese Dinge wird uns aber eher dabei behindern erfolgreich zu sein.


Wieso?


Blicken wir ständig auf andere und ihr vermeintliches Nichtkönnen herab, behindern wir uns nur dabei selbst besser zu werden. Träge machende Zufriedenheit macht sich breit. „Wieso die Fotos von Herbert sind totaler Murks, da muss ich mich ja selbst nicht mehr anstrengen“. Dies unterbindet jedoch tolle Entfaltungsmöglichkeiten unsererseits und wir bleiben in unserer Entwicklung stecken.

Meine Eingangs erwähnte Selbsterfahrung ist jedoch genauso schädlich und behindernd. Es ist in Ordnung mir eine Person und ihr Können zum Vorbild zu nehmen. Solange ich dadurch motiviert werde mich zu verbessern und genauso schöne Bilder zu machen. Schaue ich jedoch nur darauf wie gut derjenige ist und bedaure mein eigenes Können, verliere ich die Motivation und die Freude an der Sache und verbessere mich auch nicht.


1. Akzeptiere, dass jeder anders ist!
2. Den Spaß nicht vergessen!
3. Schwächen akzeptieren!
4. Zurückblicken!
5. Übung macht den Meister!


1. Akzeptieren das jeder anders ist!

Klingt banal, ist aber essentiell. Wir alle starten mit unterschiedlichen Lebenshintergründen in unser Dasein. Der eine wächst in einem Elternhaus auf in dem die Eltern z.B. erfolgreiche Buchautoren sind. Dementsprechend wird ihr Kind, sofern es ein Interesse daran hat, weniger Schwierigkeiten haben Kontakte zu finden um selbst einen Roman zu veröffentlichen, während andere wahrscheinlich mehr Anstrengungen unternehmen müssen.

Auch beschäftigt sich jeder im Laufe seines Lebens mit unterschiedlichen Dingen. Ein Professor der Physik hat selbstverständlich ein ganz anderes Wissen in der Materie, als jemand den die Physik zwar interessiert, aber nie etwas in diese Richtung studiert hat. Dementsprechend müssen wir auch andere Maßstäbe anlegen.

2. Den Spaß nicht aus den Augen verlieren!

Oh, ich höre den Aufschrei schon. Waaas? Wo kommen wir denn dahin? Spaß haben, wo gibt es denn sowas…
Sicherlich gibt es Dinge im Leben, die einem wenig Begeisterungsstürme abverlangen. Aber es hat wenig Sinn Tätigkeiten nachzugehen die einen nicht interessieren, oder wenig Spaß machen.
Wenn ich mich nur ins Fitnessstudio quäle, weil der Typ auf dem Men’s Health Cover mir verspricht in 2 Wochen ein 44-er Bizeps zu bekommen, aber eigentlich kein Bock darauf habe Eisenstangen zu fressen wird meine Motivation und das Durchhaltevermögen dementsprechend gering sein.
Und auch wenn ich etwas gerne tue, ertappt man sich oft dabei etwas zu ernst und verkrampft zu sein.

Fuck it! Hab Spaß dabei! Das ist dein Hobby! Man soll dabei Freude und Entspannung empfinden und sich nicht stressen.

3. Zufrieden sein und Schwächen akzeptieren

Es gibt einfach Gebiete in denen wir niemals gut werden. Ich habe zum Beispiel mit den Naturwissenschaften abgeschlossen. Ganz egal was ich auch mache, wenn es um Physik, Chemie, oder Biologie geht bleibe ich strunzdumm. „Mond leuchtet, weil Sonne anstrahlt“; 4+4 = 8.
Bezüglich dessen bin ich mit mir vollkommen im Reinen.

4. Stolz darauf sein was man bereits kann!

Warum nicht einmal zurückblicken und sich vergegenwärtigen was man schon alles erreicht hat? Wenn ich mich an meine ersten Versuche mit der Kamera erinnere…oh, oh, oh. Hauptsache 800 Euro für ne Kamera ausgeben, aber keine Ahnung haben wie man dieses Objektivdingsi vorne auf die Kamera steckt. Wenn ich rückblickend sehe was und wo ich bisher fotografieren durfte, so kann ich wirklich zufrieden sein. Klar, mehr geht immer!

5. Übung macht den Meister

Wie eine Freundin mir erst unlängst bestätigte „Übung macht den Meister“. Ich kann nicht erwarten mit einer Kamera, Hanteln, oder Klavier im Schrank (huch wie ist das denn da reingekommen?) zu Patrick Ludolph, Mr. Universe oder Lang Lang zu werden. Die wenigsten werden wie Derek Amato auf den Kopf fallen und plötzlich etwas besonders gut können (in seinem Falle Klavier spielen). Sicher haben wir alle bestimmte Talente, aber das meiste ist auf jahrelange Übung und (das böse Wort) Arbeit zurückzuführen.

In diesem Sinne habt Spaß bei dem was ihr tut, schaut nicht so sehr auf andere und auf geht’s!

Euer Neomanu90

Neomanu90

Moin liebe Leute!

Ich bin der Neomanu, Bewohner des hohen Nordens und Betreiber dieses Bloges. Meines Zeichens bin ich studierter Wirtschaftsjurist, derzeit Angestellter im öffentlichen Dienst und zufriedener Mittzwanziger.

In meiner Freizeit pflege ich eine Vielzahl von Hobbys. Unter anderem das der Fotografie, Literatur, Musik, Sport, Videospiele, u.v.m.

Etwas mehr über mich findest du in "Über mich".

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